Videospielverfilmungen... Wenn wir das Wort schon hören, stellen sich uns die Nackenhaare auf! Vielleicht war nicht Uwe Boll allein an diesem schlechten Ruf schuld, mitunter dazu beigetragen hat er aber auf alle Fälle, auch wenn seine (gewollt) trashigen Streifen auch Fans haben. Vielleicht ist der Ruf aber auch so schlecht, weil die Qualität in die andere Richtung nur selten stimmt. Filmversoftungen sind bei Coregamern in etwa so beliebt, wie Tetrisklone oder Langweil-Simulatoren. Dennoch haben wir uns schon vorab in Prince of Persia – Der Sand der Zeit getraut und haben 116 Minuten fetziges Popcornkino erlebt.
Persien im sechsten Jahrhundert. Mit Weisheit und Güte herrscht Sharaman (Ronald Pickup) über sein Königreich. In ferner Zukunft sollen seine beiden Söhne Prinz Tus (Richard Coyle) und Prinz Garsiv (Toby Kebbell) sein Erbe antreten. Doch eines Tages, so will es Zufall oder Vorhersehung, erhält die königliche Familie Zuwachs. Vom beherzten Einsatz des jungen Dastan begeistert, der einen anderen Obdachlosen vor den Stadtwachen beschützen wollte, adoptiert der König den Waisen von der Straße weg ins hohe Könighaus...
… Viele Jahre später ist aus Dastan (Jake Gyllenhaal) ein verwegener Draufgänger geworden, der als persischer Prinz von seinen Brüdern zwar halbwegs akzeptiert wurde, als Mann aber noch nicht ernst genommen wird. Seine erste schwere Prüfung ist die Belagerung der heiligen Stadt Alamut, die er mit seinem Onkel Nizam (Sir Ben Kinglsey) und den Brüdern im Verdacht hat, Feinde des Reiches mit Waffen zu beliefern – eine Stadt, die der König bis dahin aber als heilig und unantastbar angesehen hat! Dastan, der sich von seinem Herz leiten lässt, möchte auf einen Angriff der Truppen verzichten und auch sein gutherziger Bruder Tus denkt an die Worte seines Vaters, aber Garsiv und Nizam drängen förmlich darauf, die Stadt frontal anzugreifen.
Während Garsiv seine Truppen als Anführer frontal gegen die schwer befestige Stadtmauer in die Schlacht führt, ignoriert Dastan seine Befehle und überwindet mit einer kleinen Truppe ein Nebentor abseits der Front. Das Videospiel im Blick klettert und windet sich Dastan an Steinen, Stangen und Dächern entlang, und öffnet schlussendlich die Ausfallpforte. Die eigenen Truppen können dadurch in die Stadt einfallen ohne ein großes Blutvergießen anzurichten – das bewahrt vermutlich einem Großteil der Bevölkerung viel Leid und macht Dastan zum Helden. Auf seinem Weg in den Palast findet der Prinz schließlich Alamuts größten Schatz, den Prinzessin Tamina (Gemma Arterton) im letzten Augenblick zu retten versucht: einen Dolch, Geschenk der Götter, der mithilfe des (namengebenden) Sandes der Zeit eben diese zurückdrehen kann.
Wegen eines tragischen Zwischenfalls herrscht aber nur kurze Freude über den Sieg. Dastan, von Zweifeln zerfressen und als Verräter und Mörder beschuldigt, muss fliehen und nimmt die schöne Prinzessin direkt mit, deren Interesse aber mehr dem Dolch als seinem Überleben gilt. Ganz actiontypisch müssen sich die beiden zusammenraufen und schlussendlich den Untergang der Welt verhindern. Denn der Dolch hat nicht nur positive Eigenschaften!
In Prince of Persia gingen wir mit einer gewissen actionaffilen Erwartungshaltung und dem Glauben daran, in knappen zwei Stunden mit viel Gekloppe, Effekten und Krachbumm unterhalten zu werden. Und tatsächlich, das schafft der Film sehr gut. Es ist eben ein relativ typischer Bruckheimer: Epochale Aufnahmen treffen da auf platte Dialoge, imposante Actionaufnahmen auf wenig Tiefgang, garniert wird das ganze aber mit einer Reihe Anspielungen auf die Videospielreihe und Spiele im Allgemeinen. So ist die gesamte Schlussszene, spoilern wollen wir sie natürlich nicht, relativ wirklichkeitsnah einer Passage aus Sands of Time nachempfunden und weckt in der Hinsicht immer wieder Erinnerungen an die Spiele.
Wer keinen entsprechenden Gaminghintergrund hat braucht jedoch keine Panik haben, die Anlehnungen sind derart versteckt und der Hintergrund breit erklärt, dass keine Storylücken dadurch entstehen. In sich ist die Geschichte des Films eh geschlossen und baut nicht zwingend auf vorherigen Ereignissen auf, wenn auch sie inhaltlich an Sands of Time innerhalb des PoP-Universums anlehnt. Insgesamt kommt Story aber relativ kurz und ist schnell erzählt: Dolch her, Dolch weg, obligatorische Lovestory und epochales Ende! Aber reicht das?
Epochal aber anspruchslos
Wenn man uns fragt: Ja! Das reicht. Mit mehr Erwartungen an die Materie geht man wohl kaum in einen Bruckheimer, der zwar seit jeher Action und Spannung verspricht, aber nur selten für inhaltliche Tiefe steht. Es ist ein bewährter Mix, den Regisseur Mike Newell (unter anderem Harry Potter-Filme) da abliefert: Abenteuerlust meets obligatorische Lovestory und viel Kabumm! Sieht man mal von inhaltlichen Schwächen ab, ist Prince of Persia eine starke Verfilmung. Sie lebt von viel Effekttechnik und ist, bis auf kleinere Patzer, durchgehend auf hohem Niveau. Anfangs erinnert das ganze sogar teilweise an eine andere Ubisoft Marke... Wenn der junge Dastan da über die Dächer der Stadt kraxelt und sich von einem Turm fallen lässt, fühlt man sich schon fast wie in einer Assassin’s Creed-Verfilmung – könnte das ein Hinweis sein, ist da schon etwas in der Mache? Wir wissen es nicht, mit der Erfahrung, die man mit dem Prinzen jedenfalls sammeln konnte, steht einem solchen Projekt aber sicherlich nichts im Weg.
Schauspielerisch ist die Situation etwas zwiegespalten. Während Protagonist Dastan mit Jake Gyllenhaal relativ gut besetzt ist (und vor allem dem weiblichen Geschlecht zusagen wird), wirken seine Filmpartner teils seicht. Auch der Humor, den Gyllenhaals Charakter beisteuert, weiß zu gefallen; Dastan ist insofern nicht nur ernster Titelheld, sondern auch Alleinunterhalter. Ein bisschen verloren an seiner Seite wirkt der weibliche Gegenpart, Prinzessin Tamina, gespielt von Ex-Bondgirl Gemma Arterton. Sie ist durchweg etwas blass charakterisiert, wodurch sie für den Zuschauer unnahbar wirkt. Sir Ben Kingsley auf der anderen Seite, der Nizam, den Bruder des Königs, spielt ist einer der wenigen richtigen Charakterdarsteller und verkörpert den Bösen Gegenpart.
Technisch haben wir von vornherein, wie bereits erwähnt, hohe Erwartungen an Prince of Persia gesetzt. Diese wurden teilweise erfüllt, mancherorts wirkt der persische Prinz aber auch wie ein actionhaltiger Abklatsch von Alarm für Kobra 11. Etwa, wenn um Dastan herum alles brennt und explodiert und Soundeffekte einfach unpassend bzw. zu impulsiv gesetzt werden – das bringt zwar eine höhere Geschwindigkeit und viel Action in den Streifen, tut ihm aber nicht zwingend gut. An sich aber ist Prince of Persia aber ein effektvoller Actionstreifen, der sich lohnt.
- Kinostart: 20. Mai 2010
- Filmlänge: 116 Minuten
- Regie: Mike Newell
- Buchvorlage: Jordan Mechner
- Produktion: Jerry Bruckheimer
- Dastan: Jake Gyllenhall
- Tamina: Gemma Arterton
- Nizam: Ben Kingsley
- Amar: Alfred Molina
- Garsiv: Toby Kebbell
Quelle:Gamezone
MfG
The Undertaker