1972 tat sich Wes Craven mit Sean S. Cunningham zusammen, um den Film „Last House on the Left“ zu inszenieren, noch zwei Jahre bevor Tobe Hooper mit seinem Texas Chainsaw Massacre für unruhige Stimmung in den Kinosälen sorgte. Anschließend trennten sich jedoch die Wege des Duos und während Sean S. Cunningham den Crystal Lake-Schlächter Jason Vorhees erschuf, entwickelte Wes Craven vor rund 26 Jahren einen Phoenix, der nicht nur die Freunde des Teeny-Slashers in zwei Lager spaltete, sondern einen Bösewicht, der über die Jahre hinweg aus seiner eigenen Asche zum Antihelden emporstieg.
Die Story ist simpel: Wenn du einschläfst bist du tot! Freddy Krueger macht wieder Jagd auf die Kinder der Elmstreet und diese werden - wie gewohnt - Agatha Christie´esk ins Jenseits befördert.
Michael Bay hat nun endgültig alle drei der erwähnten Horror-Ikonen ins Visier genommen und gilt spätestens seit dem Remake von "The Texas Chainsaw Massacre" und dem entsprechenden Sequel als Rebooter der Horrornation. Deswegen verwundert es kaum, dass er nach Leatherface und "Freitag, der 13." nun zu "A Nightmare on Elmstreet" greift. Man will schließlich auch die neue Generation an alte Hits heranführen, denn was einmal funktioniert hat, funktioniert mit mehr Budget sicherlich noch viel, viel besser.
Und hier beginnt das Desaster. Drehbuchautor Wesley Strick scheint die "Nightmare on Elmstreet"-DVD Box auf Speed gesehen zu haben und klaubt fröhlich aus allen Teilen zusammen. Der ein oder andere naive Zuschauer mag dabei vermuten, dass es sich hierbei womöglich um wohlplatzierte Reminiszenzen der alten Filme handelt. Doch diese sind so zahlreich vertreten, dass man durchaus daran zweifeln darf, dass dem guten Herrn Strick auch nur eine Idee selber eingefallen ist. Natürlich, solche Kleinigkeiten im Setting fallen wirklich nur Fans der ersten Stunde auf, aber wenn man sich auf die Aussage "Wir möchten kein bloßes Remake, sondern die Geschichte neu intepretieren!" stützt, dann ist Mr. Bayer eine bittere Pille gelungen.
Die beiden Autoren dieser Kritik haben an dieser Stelle arg mit sich gerungen, ob folgendes Erwähnung finden soll, doch schließlich wollen wir euch diesen Umstand nicht vorenthalten, gehört er leider zum Trauerspiel dazu:
War Wes Craven´s Freddy ein Kindermörder - dessen Motivation in Teil VI endgültig freigelegt wurde - so schafft es Regisseur Samuel Bayer die "Unschuld des Kindes" im wahrsten Sinne des Wortes zu vergewaltigen. Über die Jahre war es entsetzlich genug, dass Freddy Kinder und Teenager getötet hat; in der Neuauflage geht es allerdings voranging darum, ein sexuelles Monster aus ihm zu machen. Was wird ein erwachsener Mann von einem kleinen Mädchen denn schließlich wollen? Diese Neuinterpretation ist so sensationslüstern und völlig darauf getrimmt absolute Abscheu und Ekel beim Publikum zu erzeugen, dass einem fast die Worte fehlen. Wenn ein Film zu solchen Mitteln greifen muss um zu schocken, so spricht das bereits Bände.
Verkörpert wird Freddy Krueger diesmal durch Jackie Earle Haley; jüngst in Erinnerung als Rorschach der "Watchmen"-Verfilmung. Zugegeben, Haley tritt ein beinahe übermächtiges Erbe an und versucht nicht nur ein reiner Abklatsch von Robert Englund zu sein, aber ein Freddy ist er leider in keiner Phase des Films. Die Maske besteht fast ausschließlich aus CGI-Effekten und soll dementsprechend realistischer wirken, aber dennoch wird man den Eindruck nicht los, als würden ihm jede Sekunde Tentakel wachsen und er den Fliegenden Holländer befehligen. Sicherlich hätte Johnny Depp unter diesen Voraussetzungen auch nichts dagegen ein drittes Mal in einem "Nightmare on Elmstreet"-Film mitzuspielen. Völlig dahin ist leider auch die, aus den alten Filmen bekannte, bizarre und zynische Situationskomik, die durch Freddy´s Wortwitz erzeugt wurde. Der Cast der Teenager aus der Elmstreet könnte gut und gern bei "Gossip Girl" oder „OC California“ agieren, denn alle sind einfach nur herrlich austauschbar wie eh und je. Die vielleicht beste Performance von allen absolviert Katie Cassidy in der Rolle der Kris. Bisher war sie eher bei diversen, teils unwichtigen TV Produktionen zu sehen. Schade nur, dass sie auf das Pendant der Tina (im Original von 1984) reduziert wurde; sie wäre die bessere Nancy gewesen.
Die Effekte sind - wie bei jeder anderen Michael Bay Produktion - hoch budgetiert und entsprechend qualitativ gestaltet, machen in Summe aber nur einen Bruchteil des Filmes aus. CGI vermag zwar viel, aber ein gewisser Charme kommt dabei abhanden, wenn man auf keine klassischen Maskenbildner samt Latex-Kreationen zurückgreift. Besondere Erwähnung sollte an dieser Stelle jedoch Steve Jablonsky (u.a. Soundtrack zu "Gears of War", "Transformers I & II", etc.) gewährt werden. Er greift das bekannte Thema der Serie auf und verpasst dem ganzen einen wohlklingenden, neumodischen Anstrich. Durchaus eine Gradwanderung, die er aber zu meistern versteht und sich so langsam aber sicher zu einem der gefragtesten Komponisten Hollywoods mausert. Nicht umsonst scheint er auf dem besten Wege der Haus und Hof Komponist von Michael Bay zu werden.
Fazit:
Für Fans der Serie: Lasst bloß die Finger von dem Film! Gebt das Geld lieber für etwas Sinnvolleres aus, aber bloß nicht für diesen Albtraum von purer Zelluloid-Verschwendung. Andernfalls prophezeien wir euch, dass ihr auf der Hälfte des Films den Drang verspürt, euer Popcorn an die Leinwand zu werfen, zumal auch die Effektszenen nur spärlich vorhanden sind und der Film vor belanglosen Dialogen und Einstellungen nur so strotzt.
Für die neue Generation: Wer sich einige Special FX-Szenen anschauen möchte und auf Schrecksekunden gespannt ist, die aber NUR durch plötzlich lautgedrehte Soundeffekte entstehen, für den ist in der Film richtig. Erwartet nur nicht, dass diese 95, sehr nichtssagenden, Minuten einen bleibenden Eindruck hinterlassen, denn unterm Strich wird mit der Neuinterpretation von „A Nightmare on Elm Street“ kein neuer Klassiker geschaffen, sondern nur altbekanntes äußerst lauwarm serviert. War „Texas Chainsaw Massacre“ ein äußerst gelungenes Remake, konnte man in „Friday the 13.“ schon erste grobe Schnitzer ausmachen, doch mit „A Nightmare on Elm Street“ erreicht Michael Bay den bisherigen Tiefpunkt seines Reboot-Wahns.
Besonderer Dank gebührt Freddy-Expertin Margarethe Chabrzyk, welche einen Großteil dieser Filmkritik beisteuerte.
- Kinostart: 20. Mai 2010
- Filmlänge: 95 Minuten
- Regie: Samuel Bayer
- Buch: Wesley Strick
- Produktion: Michael Bay, Brad Fuller
- Freddy Krueger: Jackie Haley
- Quentin Smith: Kyle Gallner
- Nancy: Rooney Mara
- Kris: Katy Cassidy
- Jesse: Thomas Dekker
- Dean: Kellan Lutz
- Dr. Holbrook: Conny Britton
Quelle:Gamezone
MfG
The Undertaker